MusikTamerlano

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man erstmalig den fast heiligen Saal der Bayerischen Staatsoper in München betritt. Dem Zuschauer offenbart sich ein tadellos gepflegtes Meisterwerk der Baukunst des 19. Jahrhunderts. Doch beim Rezipieren der von Pierre Audi inszenierten Version von Händels “Tamerlano” vergeht das Erstaunen schnell wieder. Es erwartet ihn eine an Langeweile und Kreativitätsleere kaum zu übertreffende Darstellung der komplizierten Liebesbeziehung zwischen Tamerlano und Andronico zu Asteria. Ursprünglich für Barockbühnen konzipiert, ist das perspektivische Bühnenbild nicht nur dadurch unpassend, sondern auch durch die überwiegend vorherrschende Dunkelheit und die entsetztliche dunkelolivgrüne Farbkomposition. Seinen Höhepunkt findet diese schaurige Zusammenstellung mit herunterziehenden Pappwolken, die aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, sie stammen aus der Uraufführung und symbolisieren die geistige Umnachtung desjenigen, der für sie verantwortlich ist. Wer auf Erlösung beim Hochfahren der besagten grünen Wände hofft, der wird mit dem Blick auf eine überdimensionale Bretterwand, die ein Tor darstellen soll, enttäuscht. Doch scheint Enttäuschung ja ohnehin das zentrale Motiv dieser Oper zu sein – warum also nicht auch zum direkten Mitfühlen im Publikum?! Enttäuschung setzte schließlich schon ein, als verkündet werden musste, dass Davis Daniels nicht die Titelrolle singen würde; verständlich, nachdem er die Inszenierung gesehen hat. Doch niemand ahnte, dass dies nur der Anfang einer Serie von Ungereimtheiten werden würde. So konnte von den Hauptfiguren einzig Asteria, dargestellt von Sarah Fox, überzeugen. Und auch der extra aus Frankreich importierte Tamerlano-Ersatz zeigte viel von seinem Können. Der Rest kam bedauerlicherweise kaum über die Kraft des Orchesters hinaus, das zu Händels Zeiten eh schon reduzierter ist als das modernerer Opern. Was hätte John Mark Ainsley, (als Bajazet) nur gemacht, hätte er die Rolle des Kalaf in Puccinis “Turandot” singen müssen – womöglich wäre er ähnlich ausdrucksstark gewesen wie eine zweite Violine. Nicht einmal auf den Text konnte man sich diesmal ausweichend konzentrieren. Der war praktischerweise in einer Blässe auf die Leinwand projiziert worden, dass der Blick auf selbige konfus machte. Immerhin überzeugte das barocke Orchester und die versöhnlich stimmenden Kostüme. Für das Format “Bayerische Staatsoper” war diese Oper jedoch ein absoluter Fehltritt.

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