MusikDer fliegende Holländer

Mag es an der Nationalität liegen oder ziehe ich Opern an, die ausgebuht werden? Die Inszenierung von Wagners fliegendem Holländer löste einmal mehr interessante Reaktionen aus. Dabei waren Senta und ihre beiden Buhler gesanglich außerordentlich gut. Auch der Dirigent des Abends zeigte sein Bestes, inklusive schweißnassen Haaren am Ende. Zugegeben: die Übertragung der Handlung in die Finanzwelt wirkt etwas unpassend angesichts von nordischen Seemännern, tosenden Wellen und großen Schiffen, doch im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse rund um die Bankenkrisen wirkt das Geschehen fast visionär. So verkörpert Daland den profitgierigen Banker, dem seine Tochter nicht zu schade ist, sie gegen das Gold eines zweifelhaften Seemanns einzutauschen. Beim momentanen Kurswert einer Feinunze stellt diese Überlegung schließlich eine echte Alternative dar. Edler Held und gleichzeitig Spielverderber ist Erik, der zu maßvollem, vernünftigem Handeln aufruft und echte Gefühle zeigt. Enden tut es, wie sollte es anders sein, dennoch in der Katastrophe, denn Senta bringt sich um, womit der Holländer endlich den Tod findet. Waren es also die Investmentbanker, die pfiffen und buhten?

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