MusikEugen Onegin

Berlin bejubelt in diesen Tagen einen Weltstar: Rolando Villazón singt die Rolle des Lenskij in Tschaikowskis “Eugen Onegin” an der Berliner Staatsoper. In puncto Format stehen ihm seine Kollegen (Anna Samuil als Tatjana, Roman Trekel als Onegin und René Pape als Gremin und Daniel Barenboim am Pult) in nichts nach. Nur die Akte Achim Freyer steht zur Diskussion. Irene Constantin von “Neues Deutschland” titelt treffend: “Das Premierenpublikum feierte einhellig, was es gehört hatte, es bejubelte und verdammte, was zu sehen war”. Ob genial oder verfehlt - darüber darf sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Der Jubel nach dem Schlussakkord des heutigen Abends war zweifelsfrei gehemmt, aber auch parteiergreifend im Sinne von Constantin. Das Gros der Zuschauer konnte das Konzept entweder nicht nachvollziehen und wollte es nicht. Es mag daran liegen, dass die geschminkten Grimassen die Emotionalität grotesk wirken lassen, so dass Villazón mit seiner Inbrunst und Hingabe beinah dagegen anzusingen scheint. Müssen wir darum Freyer verurteilen, weil er uns eine einzigartige Besetzung mit einer ärgerlichen Inszenierung koppelt? Verurteilen wir Tschaikowski, weil er Onegin keine melodiöse Arie nach dem Tod Lenskijs singen lässt? Beschäftigt man sich hingegen mit der Interpretation Achim Freyers, ist die Ambivalenz aus Musik, Bühnenbild, Schauspiel und Ausdruck logisch und so ergeben sich interessante Parallelen mit der Intention des Werks und der Umsetzung der Originalverse in die Musik. Die Frage, die im Raum steht, ist folglich, inwieweit man dem Publikum eine Oper verfremden darf. Dem Publikum der Berliner Staatsoper geht die Freyer-Inszenierung offensichtlich zu weit. Gut, dass wir drei Opernhäuser haben, von denen sich zwei bereits einen Namen mit moderner Regie gemacht haben. Schaden kann es in Zukunft trotzdem nicht, sich mit dem zugrundeliegenden Stoff auseinanderzusetzen; das erleichtert das Verständnis.

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