MusikCosì fan tutte
So machen es alle - außer Doris Dörrie, diese lässt an der Berliner Staatsoper eine der Paradeopern Mozarts im Flowerpower-Gewand neu erstehen und landet damit einen Volltreffer. Getreu dem Motto, Monogamie gehört zum Establishment, fokussiert sie ihre Interpretation auf dem Motiv der Sehnsucht und des damit verbundenen Fremdgehens. Dabei entsteht eine an Charme und Witz sehr reiche Neubearbeitung eines Stoffes, der für die meisten bislang mit barocken Kostümen und einem höfischem Ambiente verbunden war. So richtet sich der Blick auf ein überdimensioniertes kastenartiges Gebilde, das hereinrollt und sich als ausklappbare Wohnung herausstellt, sogar mit Auto, Garage und Garten. Bühnenbild und Kostüme von Christian Sedelmayer verdienen in diesem Zusammenhang ein besonderes Lob. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die zwei jungen Männer Guglielmo (Hanno Müller-Brachmann) und Ferrando (Jeremy Ovenden) sind sich der Treue ihrer Frauen Dorabella (Katharina Kammerloher) und Fiordiligi (Anna Samuil) derart sicher, dass sie auf Betreiben Don Alfonsos (Roman Trekel) eine Wette eingehen. Innerhalb der nächsten 24 Stunden sei es demnach völlig unmöglich, dass die Damen fremdgingen. Durch geschicktes Verwechslungsspiel und unnachgiebigen Charme, Selbstmordversuche und fingierte Erklärungen schaffen es die beiden Männer aber doch, sich der lang andauernden Gegenwehr zu widersetzen und erobern über Kreuz die Herzen der Frauen, die schließlich sogar die Eheurkunde unterschreiben. Möglich macht dies nicht zuletzt die von Don Alfonso bezahlte Haushälterin Despina (Adriane Queiroz), die durch Gesang und Schauspiel mehr als überzeugt. Sie reiht sich ein in eine Riege aus brillianten Arien, vorgetragen vom dynamischen Quartett. Das Resümé kann nur überaus positiv ausfallen, überzeugen doch alle, einschließlich Orchester, mit einer bravourösen Leistung, selbst Senora Queiroz, die sich im Vorfeld entschuldigen ließ, falls sich ihre leichte Erkältung auf den Gesang auswirke. Wenn es so alle machen, dann nur zu!
