MonatsarchivNovember 2008

Münchner U-Bahnen

27. November 2008

Münchnener U-Bahnen sind ziemlich seltsam. Egal, welche man betritt: sie sind sauber, haben unzerkratzte Fensterscheiben und die Passagiere rücken und rutschen freundlich auf, um Platz freizumachen. Für einen Berliner ist das entweder eine Horrorvision oder ein Science-Fiction. Für bösartigen Zynismus hält er es, wenn ihn die Menschen auf der linken Seite der Rolltreppe zum Nach-Rechts-Schritt auffordern. In München ist das selbstverständlich. Und wenn es ihm alles zu bunt wird, ist dafür gesorgt, dass keine Hilfe-Rufe abgesetzt werden können. Mobilfunknetz gibt es im Untergrund nicht. Gute Fahrt!

Tamerlano

26. November 2008

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man erstmalig den fast heiligen Saal der Bayerischen Staatsoper in München betritt. Dem Zuschauer offenbart sich ein tadellos gepflegtes Meisterwerk der Baukunst des 19. Jahrhunderts. Doch beim Rezipieren der von Pierre Audi inszenierten Version von Händels “Tamerlano” vergeht das Erstaunen schnell wieder. Es erwartet ihn eine an Langeweile und Kreativitätsleere kaum zu übertreffende Darstellung der komplizierten Liebesbeziehung zwischen Tamerlano und Andronico zu Asteria. Ursprünglich für Barockbühnen konzipiert, ist das perspektivische Bühnenbild nicht nur dadurch unpassend, sondern auch durch die überwiegend vorherrschende Dunkelheit und die entsetztliche dunkelolivgrüne Farbkomposition. Seinen Höhepunkt findet diese schaurige Zusammenstellung mit herunterziehenden Pappwolken, die aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, sie stammen aus der Uraufführung und symbolisieren die geistige Umnachtung desjenigen, der für sie verantwortlich ist. Wer auf Erlösung beim Hochfahren der besagten grünen Wände hofft, der wird mit dem Blick auf eine überdimensionale Bretterwand, die ein Tor darstellen soll, enttäuscht. Doch scheint Enttäuschung ja ohnehin das zentrale Motiv dieser Oper zu sein - warum also nicht auch zum direkten Mitfühlen im Publikum?! Enttäuschung setzte schließlich schon ein, als verkündet werden musste, dass Davis Daniels nicht die Titelrolle singen würde; verständlich, nachdem er die Inszenierung gesehen hat. Doch niemand ahnte, dass dies nur der Anfang einer Serie von Ungereimtheiten werden würde. So konnte von den Hauptfiguren einzig Asteria, dargestellt von Sarah Fox, überzeugen. Und auch der extra aus Frankreich importierte Tamerlano-Ersatz zeigte viel von seinem Können. Der Rest kam bedauerlicherweise kaum über die Kraft des Orchesters hinaus, das zu Händels Zeiten eh schon reduzierter ist als das modernerer Opern. Was hätte John Mark Ainsley, (als Bajazet) nur gemacht, hätte er die Rolle des Kalaf in Puccinis “Turandot” singen müssen - womöglich wäre er ähnlich ausdrucksstark gewesen wie eine zweite Violine. Nicht einmal auf den Text konnte man sich diesmal ausweichend konzentrieren. Der war praktischerweise in einer Blässe auf die Leinwand projiziert worden, dass der Blick auf selbige konfus machte. Immerhin überzeugte das barocke Orchester und die versöhnlich stimmenden Kostüme. Für das Format “Bayerische Staatsoper” war diese Oper jedoch ein absoluter Fehltritt.

Jag älskar Sverige

24. November 2008

An einem Wochenende, für das eine neunundneunzigprozentige Niederschlagswahrscheinlichkeit prognostiziert wurde, machte ich mich auf den Weg nach Stockholm. Welch verregnete Fotos dabei entstanden sind, kann man mit Klick auf das Beispielfoto einsehen.

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Viva Venezia

15. November 2008

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Historiker, Schriftsteller, Maler, Architekten … - sie alle schwärmen vom Zauber Venedigs. Und in der Tat beeindruckt die oberitalienische Stadt an der adriatischen Küste mit einem Charme, den man gar nicht so leicht fassen kann. Die folgenden Fotos, die im Spätsommer entstanden sind, sollen einen Eindruck davon vermitteln.

Così fan tutte

15. November 2008

So machen es alle - außer Doris Dörrie, diese lässt an der Berliner Staatsoper eine der Paradeopern Mozarts im Flowerpower-Gewand neu erstehen und landet damit einen Volltreffer. Getreu dem Motto, Monogamie gehört zum Establishment, fokussiert sie ihre Interpretation auf dem Motiv der Sehnsucht und des damit verbundenen Fremdgehens. Dabei entsteht eine an Charme und Witz sehr reiche Neubearbeitung eines Stoffes, der für die meisten bislang mit barocken Kostümen und einem höfischem Ambiente verbunden war. So richtet sich der Blick auf ein überdimensioniertes kastenartiges Gebilde, das hereinrollt und sich als ausklappbare Wohnung herausstellt, sogar mit Auto, Garage und Garten. Bühnenbild und Kostüme von Christian Sedelmayer verdienen in diesem Zusammenhang ein besonderes Lob. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die zwei jungen Männer Guglielmo (Hanno Müller-Brachmann) und Ferrando (Jeremy Ovenden) sind sich der Treue ihrer Frauen Dorabella (Katharina Kammerloher) und Fiordiligi (Anna Samuil) derart sicher, dass sie auf Betreiben Don Alfonsos (Roman Trekel) eine Wette eingehen. Innerhalb der nächsten 24 Stunden sei es demnach völlig unmöglich, dass die Damen fremdgingen. Durch geschicktes Verwechslungsspiel und unnachgiebigen Charme, Selbstmordversuche und fingierte Erklärungen schaffen es die beiden Männer aber doch, sich der lang andauernden Gegenwehr zu widersetzen und erobern über Kreuz die Herzen der Frauen, die schließlich sogar die Eheurkunde unterschreiben. Möglich macht dies nicht zuletzt die von Don Alfonso bezahlte Haushälterin Despina (Adriane Queiroz), die durch Gesang und Schauspiel mehr als überzeugt. Sie reiht sich ein in eine Riege aus brillianten Arien, vorgetragen vom dynamischen Quartett. Das Resümé kann nur überaus positiv ausfallen, überzeugen doch alle, einschließlich Orchester, mit einer bravourösen Leistung, selbst Senora Queiroz, die sich im Vorfeld entschuldigen ließ, falls sich ihre leichte Erkältung auf den Gesang auswirke. Wenn es so alle machen, dann nur zu!

Tosca

15. November 2008

Was für Maria Callas die Paraderolle war, für zahlreiche Liebhaber ein Juwel ist, und für Opernhäuser weltweit auch in den kommenden Jahren eine Pflichtinszenierung sein wird, ist für den Besucher der Deutschen Staatsoper in Berlin momentan ein Augen- und Ohrenschmaus. Puccinis “Tosca”, ein nicht zu komplexes italienisches Musiktheater, nimmt auch heute noch Menschen in ihren Bann. Mit einer Mischung aus Eifersucht, Hass, Trauer, Humor und Liebe spielt und singt sich Tosca, dargestellt von Micaela Carosi, in die Herzen der Zuschauer und in das zweier Männer. Der eine intrigiert, der andere soll vorerst guillotiniert werden. Auch wenn Tosca durch Mord an ersterem das Schicksal abzuwenden versucht, muss sie ihren Cavaradossi tot in den Armen halten und wählt schließlich den Freitod. Eine gelungene klassische Inszenierung rundet einen angenehmen Opernabend ab.

La Bohème

15. November 2008

Anlässlich des 150. Geburtstags von Giacomo Puccini findet sich diesertage auf jedem gutsortierten Opernspielplan wenigstens eine Inszenierung eines seiner Werke. Die Komische Oper in Berlin zeigt “La Bohème”, modern interpretiert. Die Blicke des Zuschauers richten sich auf das so genannte Bühnenbild, das nichts weiter zeigt als herabfallenden Schnee vor dem vollkommen unverhüllten Innenleben der Bühne. Eine Assoziation mit der bitteren Armut der vier jungen Künstler, die den letzten Stuhl verheizen wollen für ein wenig Wärme, angesichts eines kalten Pariser Winters des ausgehenden 19. Jahrhunderts, liegt nahe. Abgesehen davon wirkt die Inszenierung von Andreas Pomoki oft unnatürlich und aufgesetzt, begleitet vom mäßigen Schauspiel der Protagonisten. Doch dafür treten diese, angeführt von Mimi (Brigitte Geller) und Rodolphe (Timothy Richards) mit ausdrucksstarkem Gesang in den Vordergrund, untermalt von einem glänzend aufgelegten Orchester. Insgesamt entsteht somit ein positiver Eindruck.

Sanssouci im Herbst

15. November 2008

Tunnel

Nichts ist schöner als ein Herbstspaziergang in einem Schlosspark. Eine Auswahl der entstandenen Momentaufnahmen sind hier einzusehen.